Elementare KünstlerInnen

  element_luft  An Seebach, Berlin
 

(Künstlerkuratorin von Elementare Behelfe)
Ich betrachte meine künstlerische Arbeit gerne wie ein Spiel: Es gibt Spielregeln, Spielkameraden, Spielhandlungen, Spielzeug und Spielplätze; Spielraum und Spielzeit; Spielart und Spielverderber. Spielen bedeutet nicht, etwas ohne den nötigen Ernst, wohl aber es ohne Anstrengung und spielfroh zu tun.

An Seebach verfolgt seit 1992 ihre künstlerische Strategie der "ortsanalogen Handlung", eine besonders behutsame Annäherung an den jeweiligen Ausstellungsort - meist kein Kunstraum, sondern ein alltäglicher Ort. Durch ihre Intervention wird er für den Betrachter strukturell und auch in seiner narrativen Qualität aufgeschlossen.



Bisher realisierte Arbeiten sind beispielsweise die einwöchige Reinigung eines Stadtparkes (Breedevoort/NL 1994), die Recherche von Straßenschmutz in Ruhrgebietsstädten mit der anschließenden vierwöchiger Übertragung als Malerei auf den Fußboden eines Galerieraumes (Essen 1995), das Anlegen von Ausgrabungsstätten einer angeblich historischen Schnitzeljagd und die Einrichtung einer Vitrine mit fiktiven Fundstücken (Villa Küchen, Mülheim/Ruhr 1996). In Dortmund hat die Künstlerin 1998 den Anstrich der Ausstellungsräume des dortigen Künstlerhauses um 4 Jahre zurück geschliffen (bringing down the house, Installation) und so die Spuren aller vorherigen Ausstellungen sichtbar gemacht. Im Varos Liget, einem öffentlichen Park in Budapest, wo sich alte Männer täglich zum Kartenspiel treffen, hat Seebach 2005 eine Woche lang stumm einen der Spieltische mit der Hand poliert und so wieder bespielbar gemacht. 2008 in Hannover demontierte sie einen Vereinsgrill um ihn dann anschließend im Vereinsheim in seine Einzelteile geordnet sorgfältig auszubreiten. Im Oktober 2010 wird die historische Markthalle in der Berliner Eisenbahnstraße zum Schauplatz eines Reinigungsprozesses, zunächst viertägig als Performance gezeigt, wird über den Zeitraum eines halben Jahres die aufwendige Arbeit Ohne Titel, Berlin, Eisenbahnstraße, 2010 - ortsanaloge Handlung für eine historische Markthalle als Installation erarbeitet.

Kurz


www.an-seebach.de


geboren 1965, Studium an der Kunstakademie Münster, Meisterschülerin von Gunther Keusen, 1995-2005 Mitgliedschaft im Künstlerhaus Dortmund e.V. und verantwortlich für ein internationales Ausstellungsprogramm mit Symposien, Festivals etc., Arbeit in Textilrestaurierungswerkstatt, Lehrtätigkeit (Installation, Intermedia Art) an Kunstinstitutionen im In- und Ausland, Galerieleitung, derzeit kuratorische Assistenz am ZMO für ein Wissenschaft+Kunst-Projekt, lebt und arbeitet in Berlin

AUSSTELLUNGEN/PREISE: 
1992/93 Stipenidum Künstlerdorf Schöppingen, 1994 Artist in Residence, Kloster Plasy/CZ, 1998 Stipendium Stiftung Binz 39, Scuol/CH 2010 Ideenwerkstatt Projektstipendium Kunstkommunikation (Vorauswahl), Kunsthaus DA, Kloster Gravenhorst, 2011 Arbeitsstipendium Künstlerhaus Lukas, Land Mecklenburg-Vorpommern, Ahrenshoop; seit 1991 kontinuierliche Ausstellungstätigkeit im In- u. Ausland mit ortsanalogen Handlungen: ortsspezifischen Installationen, performative Interventionen im öffentlichen Raum, partizipatorische Projekte, künstlerische Zusammenarbeit; Auswahl: 2010 Ohne Titel, Berlin, Eisenbahnstraße, 2010, ortsanaloge Handlung für eine historische Markthalle, Berlin-Kreuzberg, 2009 Mind the Park - Stadtverwaltung, Grünflächenplanung, Kunstvorfälle, Städt. Galerie u. Fachbereich Umwelt u. Stadtgrün, Hannover, 2008 white balance, coop:A.Grunemann kik, Kunst im Kontakt, Hannover, 2006 scorecologne | brückenmusik, Deutzer Brücke, Köln, 2005 nachbild coop:Chr.Stegat, Gustav-Eiffel-Oberschule, Berlin, 2005 helyspecifikus, Liget Gallery, Budapest/HU 2004 she_story_loop_the space is divided into six parts_5W1H, coop:Y.Toyoshima, Japanisches Kulturinstitut, Köln, 2003 she_story_loop_2”, coop:Y.Toyoshima, Goethe Institut, Kyoto/JAP; 1997 Mit der Bitte um Aushang an geeigneter Stelle, Museum am Ostwall, Dortmund; 1991 Die Werkräume eines Tuchmachers, Textilmuseum, Neumünster

FACHGEBIET: 
ortsanaloge Handlungen, Stickerei auf fotografie, künstlerische Zusammenarbeit, partizipatorische Projekte, Ausstellungsorganisation.

PROJEKTIDEE für 2013: 
„Naherholungsgebiete“ – Ruheorte mit spiritueller Dimension

ZUORDNUNG: 
Element Luft