Elementare KünstlerInnen

  element_erde  Christiane Stegat, Köln
 

„Eine bestimmte Ortssituation wird zu einer Bühne für meine Gebilde. In der Kommunikation zwischen Installation und Ort entsteht eine neue Bedeutung, deren Assoziation, zuvor angelegt, sich in der spezifischen Sphäre durch die Realisation behauptet und schließlich von sich selbst befreit.“

In diesem Zitat der Künstlerin wird die besondere Strategie ihrer künstlerischen Arbeit offenbar. Materialauswahl und Materialinszenierung sind die zwei Komponenten für ihre ortsspezifischen Interventionen. Dabei wird ein Material – meist ein alltägliches, industrielles Produkt - durch die aufwendige, handwerkliche Bearbeitung der Künstlerin transformiert. So weit geht diese Transformation, dass die üblichen Assoziationen zum Material vollständig verschwinden und die neuartige, kleinteilige, meist konstruktive Verarbeitung des Materials ganz neue Sinnzusammenhänge schafft.

Das extensive Häkeln von Monofil - einem unscheinbaren, transparenten Plastikfaden - führt in den 90er Jahren zu unterschiedlich mit Bedeutung aufgeladenen Gespinsten, mal monitor, trabant, traumbau, gewächshaus, nachbild, ganz einfach hülle oder gar hoch- und zugleich subkultur.



Über 20 000 ineinander gesteckte Trinkhalme bieten 1998 temporär intimen, pinkfarben aufleuchtenden Schutz auf dem Bahnhof Köln-Süd.

In misstrauisch beäugter Idylle wird 2005 ein orchideenhaus platziert, das uns lediglich Strahlenabdrücke dieser prächtigen Parasiten vorführt: Röntgenbilder von Orchideen ersetzen die Fensterscheiben eines Miniaturgewächshauses.

Grossraumtaschen aus Plastik – diese preiswerten, bei Flüchtenden beliebten Transportverpackungen für große Mengen an Hausrat - transformieren 2007 auf dem Wasser im Berliner Tiergarten zu asiatisch anmutenden, still dahin gleitenden Leuchtkörpern.

Mit spawn (engl. –svw. Subst.: Brut, Ausgeburt, Laich; Verb: laichen, sich vermehren) verwandelt Christiane Stegat 2010 einen Haufen LED beleuchteter, weißer Kunststoffkugeln aus chinesischer Massenherstellung in eine höchst merkwürdige Lebensform.

Bei all diesen ortsspezifisch entwickelten Eingriffen ist besonders bemerkenswert, dass der Betrachter gleichermaßen ausbalanciert den Raum seiner Wahrnehmung und denjenigen seiner Assoziationen betritt. Erkennt das Auge des Rezipienten das ursprüngliche Material eigentlich ganz deutlich, wird der Kopf des Rezipienten zugleich trotzdem durch Inszenierung oder Beleuchtung des Materials in den naheliegenden Deutungsraum entführt. Beides verschmilzt untrennbar zu einer atmosphärisch erlebten Stimmung.

Kurz


www.stegat.de


geboren 1963, Studium an der Kunstakademie Münster, Meisterschülerin

AUSSTELLUNGEN/PREISE: 
2002 anthurie, Monheimer Förderpreis für Bildende Kunst (1. Preis); 1995 traumbau, New York; 1996 trabant, Galerie SOMA, Berlin; 1997 monitor, Hochbunker Ehrenfeld, Köln; 1998 8 uhr 21 Lieblingsort: Köln, Installationen im Kölner Stadtraum; 2003 gewächshaus Künstlerhaus Dortmund; 2005 orchideenhaus, (misstraue der) idylle, kik Kunst in Kontakt, Hannover; 2006 taschen, inside-outside, Schloss Burgau Düren 2007 taschen II, lichtberlin, Tiergarten, Berlin; 2009 spawn, lichtparcours 2010, Kunstverein Braunschweig

FACHGEBIET: 
aufwendige ortsspezifische Installationen - oft nach der Natur geformt, Lichtinstallationen

PROJEKTIDEE: 
keramische Bepflanzung einer Brache, morbide Plantage

ZUORDNUNG: 
Element Erde